IKA – Institut für Kunst und Architektur

 

Naomi Mittempergher

Eine Gegenerzählung zum Einfamilienhausparadies – Die geschichtliche Entwicklung des sozialen und verdichteten Wohnraums in Vorarlberg

Vorarlberg ist in der Wahrnehmung vieler ein Einfamilienhausparadies. Tatsächlich ist das Einfamilienhaus seit Mitte des 20. Jahrhunderts in der Gesellschaft Vorarlbergs am populärsten, über viele Jahre war es die primäre Wohnform. Verdichtete und soziale Wohnräume spielten hingegen lange nur eine nebensächliche Rolle. In der räumlichen Wahrnehmung des Vorarlberger Siedlungsraums sind sie über große Teile unterrepräsentiert, ebenso in Publikationen und Medien, sie werden deswegen gerne als untypische und neuartige Bauweise dargestellt. Tatsächlich geht jedoch die baugeschichtliche Entwicklung von verdichtetem und sozialem Wohnraum in Vorarlberg auf eine Zeit weit vor dem Beginn der markanten Ausbreitung von Einfamilienhaussiedlungen zurück.

Ziel dieser Arbeit ist es, die baugeschichtlichen Entwicklungen des verdichteten und sozialen Wohnbaus im Kontext des Vorarlberger Siedlungsraums zu dokumentieren und kritisch zu betrachten. Gleichzeitig werden dessen sozialer Stellenwert in der Vorarlberger Bevölkerung sowie dazugehörige politische und gesellschaftliche Entwicklungen beleuchtet. Anhand von Projektbeispielen und mit Hilfe einer ausführlichen Literaturrecherche, der Analyse historischer Luftaufnahmen, mehreren Besichtigungen und diversen Gesprächen wurde das Thema für ein breites architekturinteressiertes Publikum aufgearbeitet. Mit Texten, Bildern, Plan- und Kartenmaterial wird aufgezeigt, dass verdichteter und sozialer Wohnbau bereits seit langer Zeit in Vorarlberg vorhanden ist. Zudem soll die Wichtigkeit von steigender Dichte für den urbaner werdenden Siedlungsraum Vorarlbergs hervorgehoben werden und die vielfältigen Projektbeispiele zur Entstigmatisierung dichter Wohnformen in Vorarlberg beitragen. Entstanden ist eine baugeschichtliche Gegenerzählung zum gängigen Narrativ über das Einfamilienhausparadies Vorarlberg.

mittempergher.at

Foto © Christina Ehrmann

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