IKA – Institut für bildende Kunst
Fachbereich Kunst und digitale Medien

Noël Gaar

kind of familiar

Die Arbeit „kind of familiar“ zeigt ein Mobile in Kombination mit einem Video- und Soundbeitrag. In dieser Zusammensetzung verweist die Installation auf visuelle und akustische Abstraktionen zu den Begriffen Kreislauf, Wiederholung, Prozess und deren Wahrnehmung.

Das in weiß gehaltene Mobile („In Abeyance“) besteht aus kreisrunden (sic!) Elementen, die jeweils an waagrechten Stäben angebracht sind. Balanciert wird das Mobile von einer ganzen Scheibe, sowie sechs Ringen und einer kleinen Scheibe, die in Summe das Gewicht der ganzen Scheibe ausgleichen und einer aufgespaltenen Version derselben entsprechen. Die sieben Teile sind nach Größe geordnet, wobei der äußerste und größte Ring den Anfang – der Kern das Ende bilden.

In Anlehnung an das Phänomen der Lichtbrechung, in der weißes Licht mit Hilfe eines Prismas in sieben Spektralfarben aufgespalten werden kann, ist diese Spaltung eines Ganzen in sieben Teile auch der Bezugspunkt zur Videoprojektion („Infinity Colour Circle“). Diese zeigt einen Farbkreis, der auf das Mobile platziert einen unendlichen Farbwechsel der sieben Spektralfarben durchläuft. Dieser Abstraktion eines ewigen Kreislaufs lassen sich Wiederholungen, aber auch Veränderungen ableiten, die im Soundloop („Spheric Paraphrases“) fragmentarisch erläutert werden.

In einem unendlich und träumerisch anmutenden Raum paraphrasieren eine männliche und weibliche Stimme (das Außen) sechs repetitive und prozesshafte Beispiele aus Wissenschaft, Geschichte, Gesellschaft, Kunst, Kultur, Biologie und Physik. Währenddessen ist ein Zitat des Künstlers (das Innen) zu hören, das seinen psychischen Kampf mit krankhaftem Kreisen und Drehen beschreibt.

Die Installation und ihre Elemente sind einem ständigen räumlichen Veränderungsprozess ausgesetzt, bleiben in diesem aber gleichzeitig gefangen. Die Diplomarbeit steht für das physische und psychische Kreisen und den Kampf, diesem zu entfliehen, diesen aber auch zu hinterfragen. Letzteres wird durch die Gegenüberstellung zwischen dem Begriff der Identität (Innen) und „dem Ganzen“ (Außen) deutlich, stellvertretend für einen begrenzten Zeitraum eines Daseins, das Wiederholung und repetitive Prozesse wahrnimmt und dem Konstrukt der Zeit, das in diesen aufeinander folgenden „Wiederholungen“ eine stetige Veränderung mitverfolgt. Dabei tritt der Titel „kind of familiar“ als eine Verbindung zwischen dem zeitlich begrenzten und zeitlich unbegrenzten Verständnis gegenüber der Wiederholung in Erscheinung.

Nimmt die Arbeit autobiographisch Bezug auf die Psyche (das Innen) des Künstlers, insofern er mit Spaltung und Fragmentierung auf einen nicht ausbalancierten Zustand verweist, möchte „kind of familiar“ in seiner wortwörtlichen Bedeutung für das öffentliche Auge Verweise auf Phänomene des Kreisens, Wiederholens und Veränderns im Außen freilegen und eine Identifizierung mit der eigenen Lebenswelt möglich machen.

Foto © eSel – Joanna Pianka

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