IKA – Institut für bildende Kunst
Fachbereich Kunst und Fotografie

Laura Sperl

Set Sail

Die Diplomarbeit „Set Sail“ besteht aus fotografischen und zeichnerischen Arbeiten sowie einem Materialdruck. Alle Arbeiten sind im Zeitraum zwischen 2018 und 2020 entstanden.

In der Arbeit „Schattenbelichtungen“ werden mit zeichnerischen Vorlagen und Sonnenlicht Fotogramme entwickelt. Es ist ein Versuch, die Bewegung eines Schattens in verschiedenen Bewegungsstufen festzuhalten. Die Zeichnungen wurden von und in einem Schatten angefertigt und dienten anschließend als Vorlage für Kontaktbelichtungen mit der Sonne. Es wird keine Chemie zum Fixieren des Bildes verwendet. Der Verblassungsprozess der Fotogramme stellt einen wichtigen Teil der Arbeit dar und wird mittels digitaler Fotografie dokumentiert und in einer 60-teiligen Wandinstallation gezeigt. Der digitalen Fotografie kommt in der Arbeit „Schattenbelichtungen“ nicht nur eine Ordnungs- und Dokumentationsfunktion zu, sondern bietet auch die Möglichkeit einer zweiten Beobachtungs- und Reflektionsebene. Darüber hinaus gibt es eine zweiteilige Serie, welche den Akt des Nachzeichnens direkt im Schatten zeigt, sowie eine weitere fotografische Arbeit im Format 60 x 80 cm, welche die Überlagerung von 3 Bewegungsstufen des Schattens in einer Belichtung zeigt. Dieses digitale Bild entstand in dem Augenblick als die analoge Belichtung in der Sonne fertig war und die Vorlage entfernt wurde.

In den Arbeiten „Brückenperformancebelichtung“ und „Schieß bis zum Mond“ wird ebenfalls mit Sonnenlicht gearbeitet. Den beiden Arbeiten liegt ein performativer Entstehungsprozess zugrunde. In „Schieß bis zum Mond“ dient die eigene Haut als lichtempfindliches Material, in welches sich durch die Einwirkung der Sonne eine zeitliche Entwicklung über 10 Stunden einschreibt und ein Bild entstehen lässt. In „Brückenperformancebelichtung“ entsteht eine Cyanotypie des Körpers der Künstlerin mit Sonnenlicht, während sie von einer Brücke über dem Wasser hängt. Die Bewegung wird im Bild eingeschrieben. Natürliche Einflüsse wie Sonne, Wind, Wasser und der dadurch gegebene und sich ständig verändernde Handlungsspielraum sowie der Umgang damit, sind Teil der Arbeit.

Im Beobachtungs- und Selbstwahrnehmungsprozess werden verschiedene Distanzbeziehungen aufgezeigt und im Bild zusammengeführt. Das Zusammenspiel von Distanz und Nähe beziehungsweise Sehsinn und Berührung wird thematisiert. In der Zeichnung „seesaw“ ist der Körper Ausführender und Objekt zugleich. Die Zeichnung wurde am Boden angefertigt und setzt die Bewegung auf dem Papier, das Nachzeichnen von Körperteilen, sowie ein genaues Beobachten und Zu-Papier-Bringen voraus. Die entstehenden Formen lassen sich schwer als äußere oder innere Ansichten kategorisieren und bilden ein neues körperliches Gefüge.

laurasperl.at

Foto © eSel – Joanna Pianka

 

ZURÜCK