IKA – Institut für bildende Kunst

Stefan Eggenweber

Vernarbte Körper: Horrorfilm, Monster, Anus und ihre Popotentiale

Das Horrorgenre ist in vielen Diskursen ein zurecht umstrittenes. Gesellschaftliche Hierarchien, Vorurteile und Gewaltstrukturen kommen hier besonders drastisch zum Ausdruck. Diese lassen sich auch in den Körpern der dargestellten Monster verorten. Besonders deutlich werden repressive Strukturen in den Konstruktionen von Gesicht und Genital des Monsters. Diese Arbeit hat sich das Ziel gesetzt, zu zeigen, dass über diese beiden Zentren, die der Horrorfilm in monströsen Körpern verortet, nicht bloß Unterdrückung und Gewalt gegen die Personen, die zu Opfern des Monsters werden, erzeugt wird, sondern dass das Monster selbst zum Opfer der durch diese Zentren generierten gewaltvoller Strukturen wird.

Mithilfe einer analen Lesart sollen monströse Körper in dieser Arbeit von den beiden auf sie projizierten Zentren befreit werden. Dies wird anhand von filmischen Beispielen versucht. In einem Kapitel soll das Gesicht als Zentrum westlicher Machtrepräsentation und Unterdrückung durch eine Hinwendung zum Analen dekonstruiert werden. In einem anderen Kapitel soll die bedrohliche Instanz der Waffe des Monsters, die in feministischen Diskursen oft als Repräsentation für den Penis gelesen wird, durch eine Dezentralisierung des monströsen Körpers, weg von der Illusion eines Mörder-Penis hin zum Anus, gebrochen werden.

Weiters beinhaltet die Arbeit eine kritische Selbstdarstellung der Person, die sie geschrieben hat, in der ihre persönlichen Zugänge zu dem Thema beleuchtet werden, eine Sektion, in der verwendete Begriffe hinterfragt und Alternativen für diese gesucht werden, sowie einen Teil mit Manifesten. Da der in dieser Diplomarbeit dargestellte Zugang zu dem Thema viel mit der künstlerischen Praxis der schreibenden Person zu tun hat, ist diese Ebene in den wissenschaftlichen Text eingearbeitet und kommt immer wieder zum Tragen.

Foto © Stefan Eggenweber

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