IKL – Institut für das künstlerische Lehramt

Stefanie Gersch

Digitalität in ihren materiellen Übersetzungen

Wie selbstverständlich ist das Digitale in unsere Lebensbereiche eingezogen, organisiert unsere Kommunikation, strukturiert unsere Tagesabläufe, verwaltet unsere Erinnerungen. Als Endnutzer_innen gehen wir täglich mit digitalen Interfaces um, die wir oberflächlich nutzen oder justieren, deren zugrundeliegende zeichenhafte Funktionsweise wir jedoch kaum je nachvollziehen können. Diese Nutzungslogik von Technik im Allgemeinen liegt in einer Art instrumenteller Sinnentleerung – in der Abspaltung von Verständnis und Interpretation vom korrekten Vollzug einer Zeichenoperation. „Das Wissen, wie etwas ausgeführt wird“, schreibt die Philosophin Sybille Krämer, „löst sich ab von dem Wissen, warum dieses Verfahren überhaupt ‚aufgeht‘ und funktioniert.“(1) So gesehen scheint das Objektivitätsversprechen digitaler Objekte als vermeintlich neutrale Beobachter und Protokollanten zwiespältig – sichern und befördern sie zwar Kenntnis und Erkenntnis, hebeln sie diese doch immer auch aus. Was Krämer ‚artifizielle Flächigkeit‘ nennt, ist der alphanumerisch überschaubare Raum, der seit dem Beginn der Buchdruckkultur mit dem Versprechen einherging, „das notierte Wissen dem Geheimnis zu entziehen.“(2) Der durch Interaktion von Protokollen und Algorithmen neu entstandene, unüberschaubare Tiefenraum auf der Rückseite der sichtbaren Oberfläche des Screens wird in der theoretischen Arbeit als „wiedererstarkende[s] ‚Geheimnis[…]‘“(3) in den Blick genommen und mit seiner (banalen) Materialität kontrastiert. Das Interesse der Arbeit setzt damit an den Schnittstellen an, den verbergenden Behältnissen des Digitalen und deren Rolle in epistemischen Prozessen, welche in den Vordergrund gebracht werden. Es wird untersucht, ob und wie deren Dinghaftigkeit zur Bedeutungserzeugung beiträgt.

1 Vgl. Krämer, Sybille: Für eine Kritik der digitalen Vernunft. URL: https://science.orf.at/stories/2939977/
(21.01.2019).
2 Ebd.
3 Ebd.

Foto © Stefanie Gersch

ZURÜCK