IKL – Institut für das künstlerische Lehramt

Christiane Lugbauer

Leaving Traces

Die Basis der Arbeit mit dem Titel „Leaving Traces“ war die Idee des zeitbasierten prozessualen Arbeitens mit rohem Ton und das gleichzeitig stattfindende Schreiben an der wissenschaftlichen Diplomarbeit mit dem Titel „Roher Ton: Ein feministisch-ökologischer Blick auf Keramik in der zeitgenössischen Kunst am Beispiel der Arbeiten »Vanitas« und »After the Death of the Bear« von Phoebe Cummings und »Leaving Traces« von Christiana Lugbauer“.

Bei der Arbeit „Leaving Traces“ wurde u. a. eine von Lugbauer festgelegte Menge an Ton auf der Drehscheibe verarbeitet. Die entstandenen Objekte wurden dokumentiert und danach wieder eingesumpft. Das Endprodukt ist wieder das Ausgangsprodukt, eine Tonmasse, die für neue Arbeiten abermals verwendet werden kann. Im Vordergrund des Prozesses stand das Material, es selbst sprechen bzw. arbeiten zu lassen und nicht immer die Kontrolle bzw. Macht über den Ton zu haben. Die Arbeiten waren wie eine Art Performance; die Stücke funktionierten als Ereignisse, die vor Ort gemacht und erlebt wurden. Die Spuren auf dem Stoff sind die Erinnerungen, der Nachhall dieses Ereignisses bzw. dieser Erfahrungen.

Nachdem Lugbauer 2018 sich mit dem Buch von Donna Haraway Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän (2018) und Phoebe Cummings’ Arbeiten begonnen hatte zu beschäftigen, entstanden einige Experimente mit ungebranntem und gebranntem Ton und Porzellan, die zu der Idee der Abschlussarbeit weiterführten. „Leaving Traces“ ist deshalb eine Fortsetzung dieser zuvor gemachten Objekte und kann nicht ganz isoliert davon wahrgenommen werden. Darum fließt diese vorangegangene Arbeit mit ein.

Der Titel „Leaving Traces“ bezeichnet wortwörtlich, was in der Arbeit passiert, nämlich Spuren zu hinterlassen – den Prozess hervorzuheben und Erinnerungen festzuhalten, die auf Dauer jedoch wieder verblassen, zerbröseln. Der Titel kann auch als Anspielung auf die aktuelle globale ökologische Situation gesehen werden. Die drohende Ausrottung unzähliger Spezies, Verelendung und Vernichtung sind Teil unserer Zeit. Welche Spuren wollen wir auf unserem Planeten hinterlassen (vor allem auch als Künstler*in)? Lugbauer interessiert das Überdenken von normisierten Techniken im Arbeiten mit Ton und Porzellan. Ihre Praxis ordnet sie zwischen Handwerk, Skulptur, Installation und Performance ein. Themen wie Vergänglichkeit, die Sammlung von ephermeren, fiktiven, aber auch realen Objekten, und die Frage nach der Sprache der Dinge zählen zu ihrem Forschungsgebiet.

Foto © Christiana Lugbauer

 

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