IBK – Institut für bildende Kunst
Fachbereich Textuelle Bildhauerei

Myles Starr

With Great Suffering Comes Great Fried Chicken

Ist eine gute Diplomausstellung vergleichbar mit einem_r Debütant_in auf seinem_ihrem ersten Ball: Bedächtig, manierlich und bereit, um auf dem Markt willkommen geheißen zu werden?

Oder wie eine intime Zusammenkunft vor einem Flug zurück in die Neue Welt: ein Wiedererleben der wertvollsten Momente, ein Geständnis in letzter Sekunde und ein kurzer Ausblick auf die Zukunft? Es ist wohl letzteres, was die Entstehung dieser Arbeit begleitete.

Begonnen habe ich mit dem Material für das letzte Gemälde. Ich hatte meine Tagesdecke bereits, lange bevor diese mir gehörte, ins Auge gefasst. Die dicke, einfarbige Baumwolle weckte schon in meiner Kindheit mein Interesse. Nachdem ich nun fünf Jahre mit ihr schlief und in dem Wissen, dass ich in meinem koffergroßen Zuhause keinen Raum mehr verschwenden möchte, habe ich diesem Objekt dieselbe Frage gestellt, die ich jedem Objekt stelle: Hat es das Potential, eine gute Skulptur zu sein? Durch das Aufspannen auf einen Rahmen, stellte ich fest, eine gute Grundlage geschaffen zu haben. Aber es musste noch mehr getan werden.

Die weitere Entwicklung des Werkes begann mit dem Malen von Blumen. Deren Vieldeutigkeit und Schönheit bereicherten immer wieder mein Schaffen. Daraufhin habe ich mich erneut Werkzeugen zugewandt, die bereits in der Vergangenheit für mich funktionierten: ein Springbrunnen und eine Tasche. Um das Werk zu beenden war es notwendig, einige Gespräche mit den Personen zu führen, die auf den Gemälden auf der gegenüberliegenden Wand abgebildet waren, manche davon entstenden in diesem Monat, viele in den letzten fünf Jahren. Nun bin ich angekommen: Eine gute Skulptur und ein gutes Gemälde. Vielleicht sogar beides in einem Werk.

Als ich diese Personen malte war mir bewusst, dass ich Schwierigkeiten habe, filigran zu zeichnen, und ich steuerte immer direkt auf Schwierigkeiten zu. Jeder_jede Kunstschaffende ist gut in dem was er_sie tut, aber ich wollte eben genau das konfrontieren, was ich nur dürftig beherrsche. Abgesehen von ihrer zierlichen Größe, sind filigrane Malereien ein Berg, den ich erklimmen will. Eben deshalb, weil sie für mich einen unbequemen und dadurch fruchtbaren Boden für Entdeckung bieten.

Wenn es dahingegen um Skulpturen geht, lebe ich von der Reduktion. Im Atelier und im Leben behalte ich so wenig Objekte wie möglich. Auf diesem Weg können die Objekte, die sprechen müssen, zu Wort kommen. Der Karton und ihr Inhalt waren die Zentren der Schwerkraft meines Studios. Ich brachte es nicht über mich, diese wegzuwerfen. Die Dinge hatten zu viel skulpturales Potential und so überlebten sie unzählige Aktionen des Aussortierens und Ausmerzens. Sie sind nun ihr eigenes Werk.

Foto © eSeL – Joanna Pianka

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