Thomas Garcia

Ich und Wurmlöcher

Für meine Diplomausstellung Ich und Wurmlöcher führe ich eine Werkgruppe, bestehend aus einer Plastik und einem aktivierten Abrieb zusammen.

Unendliche Metamorphose
Mit meiner Vorliebe für süße Mehlspeisen begann die Arbeit am skulpturalen Teil der Ausstellung – Unendliche Metamorphose – Ich verhandle in dieser Arbeit meine eigene Aneignung einer materiellen Welt, die stets von außen auf mich einwirkt, und die mich äußerlich und innerlich formt. Die Arbeit hatte ihren Ausgangspunkt in der Geometrie der Verpackung eines industriell gefertigten italienischen Weihnachtskuchens. Er war mir ein Medium mit dem ich einen Wirklichkeitsbegriff von Materialität und dessen Aneignungsprozesse, in einen anderen überführe – einen, der meinen Handlungs- und Deutungsradius über den ich mir Welt aneigne, vergrößert.

Moment um Moment um …
Die Arbeit Moment um Moment um… ist ebenso ein Portrait der Möglichkeiten und Grenzen meines sich bewegenden Körpers während der Zeit der sozialen Einschränkungen im Herbst 2020 als auch der Bodenstruktur und Größe meines Ateliers. In intuitiven Bewegungen zog und dehnte ich meinen Körper von einer Minimal- zur Maximalposition über das am Boden liegende Tuch und drehte mich währenddessen immer wieder um meine eigene Achse.

Im Arbeiten auf dem Stoff war mir der Moment mit jedem Handstrich präsent und aus diesem Moment um Moment, entstand der Titel, der aus Momenten ein Momentum erzeugt, das aus dem Zusammentreffen glückhafter Momente besteht, aus dem der Impuls zur Erneuerung hervorgeht.

Der Werkgruppentitel Ich und Wurmlöcher bezieht sich auf einen Begriff der Astrophysik. Wurmlöcher sind theoretische Gebilde, für die es bislang keine experimentellen Beweise gibt. Der Name Wurmloch stammt von der Analogie mit einem Wurm, der sich durch einen Apfel hindurchfrisst. Er verbindet damit zwei Seiten der Oberfläche desselben Raumes mit einem Tunnel – zwei Orte und Zeitpunkte im Universum.

In beiden Arbeiten wird Materialität sowohl als mögliche Wirklichkeit, als auch als Interpretation des Alltäglichen begriffen. Meine Diplomausstellung entstand aus meinem Interesse an der Materialisierung von Denksystemen. Das Ergebnis ist eine Erkundung meiner eigenen Aneignung der Außenwelt und die Suche nach einem inneren Handlungsspielraum.

Ich und Wurmlöcher

For my diploma exhibition Ich und Wurmlöcher I spacialy bring together a sculpture and an activated abrasion technique (aktivierter Abrieb).

Unendliche Metamorphose
With my preference for sweet pastries began the workprocess on the sculptural part of the exhibition – Unendliche Metamorphose – In this work I am negotiating my own appropriation of a material world that always affects me from outside and that shapes me externally and internally. The work had its starting point in the geometry of the packaging of an industrially manufactured Italian Christmas cake. For me it was a medium with which I transfer one concept of reality of materiality and its processes of appropriation into another – one that increases my radius of action and interpretation through which I appropriate the world.

Moment um Moment um …
The work Moment um Moment um … is also a portrait of the possibilities and limits of my moving body during the period of social restrictions in autumn 2020 as well as a portrait of the floor structure and size of my studio. In intuitive movements, I pulled and stretched my body from a minimum to a maximum position and kept turning around my own axis over the fabric which was lying on the floor.

When working on the fabric, the moment was present to me with every stroke of the hand and from this moment after moment, the title was created, which creates a Momentum from moments – which consists of the meeting of happy moments, from which the impulse for renewal emerges.

The group title Ich und Wurmlöcher refers to a term in astrophysics. Wormholes are theoretical structures for which there is currently no experimental evidence. The name wormhole comes from the analogy with a worm eating its way through an apple. It connects two sides of the surface of the same room with a tunnel – two places and times in the universe.

In both works materiality is conceived as a possible reality as well as an interpretation of the every day. My diploma exhibition developed out of my interest in the materialization of systems of thought. The result is an exploration of my own appropriation of the external world and the search for an inner scope of action.

Abb./Ills.: links: Ausstellungsansicht / Installation view Unendliche Metamorphosen, rechts: Ausstellungsansicht / Installation view Moment um Moment um … © Thomas Garcia

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