Manuela Picallo Gil

Chroniken meiner Zeit

Aus einem Gefühl entwickelt sich eine obsessive Routine. In der wiederholenden Tätigkeit offenbart sich ein vertrauter Arbeitsprozess, dessen Rhythmus eine gewisse Ruhe mit sich bringt, zugleich regelmäßig Emotionen entfacht. Über Jahre hinweg wuchs eine Sammlung heran, dessen Zweck weniger dem Archivieren diente. Chronologisch im Regal geordnet, systematisch beschriftet, verraten die minimalistische Bücher nichts über ihr farbintensives Innenleben. Rosa Bänder markieren Bruchstellen. Chroniken meiner Zeit ist ein stetiger Versuch mich selbst als auch meine Umgebung zu verstehen. Indem die Dokumentation der fragwürdigen Zeitungen zum Tagebuch wird, füllen sich Leerstellen, ich erkenne meine Ängste, Kämpfe, Wünsche, Prinzipien und Vorurteile. Wenn Medien ihre Gesellschaft widerspiegeln, gefällt mir dieses Bild nicht. Es bleibt die tägliche Motivation Teil einer Veränderung zu sein.

An obsessive routine develops from a feeling. The repetitive activity reveals a familiar work process whose rhythm brings a certain calm, but at the same time regularly sparks emotions. Over the years, a collection grew up whose purpose was not so much archiving. Arranged chronologically on the shelf, systematically labeled, the minimalist books reveal nothing about their colorful inner life. Pink ribbons mark breakage points. Chroniken meiner Zeit is a constant attempt to understand myself as well as my surroundings. As the documentation of questionable newspapers becomes a diary, voids fill in, I recognize my fears, struggles, desires, principles and prejudices. When media reflect their society, I don’t like this image. There remains the daily motivation to be part of a change.


Manuela Picallo Gil

Chroniken meiner Zeit. Antiarchiv zu den Boulevardzeitungen Heute und Österreich/oe24, 2016–2021
Partizipative Installation / Participative installation
Maße variabel / Dimensions variable
Courtesy of the artist

Abb. / Ill.: © Manuela Picallo Gil

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